Planungssicherheit und Baurecht
Ein neuer Balkon, ein Vordach oder ein Carport steigert deine Lebensqualität und den Wert deiner Immobilie. Bevor wir in der Werkstatt beginnen, klären wir gemeinsam die rechtlichen Rahmenbedingungen. In Reutlingen, Tübingen und Umgebung gilt die Landesbauordnung Baden-Württemberg (LBO BW) mit ihrer Ausführungsverordnung (LBOAVO). Stand dieser Übersicht: nach der LBO-Reform vom 28. Juni 2025.

1. Geländer und Absturzsicherung
Grenzt ein Balkon, eine Terrasse oder eine Treppe an eine Fläche, die mehr als 1 Meter tiefer liegt, ist eine Umwehrung vorgeschrieben – also ein Geländer oder eine Brüstung.
- Höhe: mindestens 90 cm. In Baden-Württemberg gilt das unabhängig von der Absturzhöhe. Ist der obere Abschluss mindestens 20 cm tief (etwa eine breite Brüstung), genügen 80 cm. Wir empfehlen trotzdem 100 cm – das fühlt sich sicherer an.
- Abstand zur Fläche: zwischen Geländer und Boden bzw. Balkonplatte waagerecht höchstens 6 cm.
- Kindersicherheit: Wo in der Regel mit Kindern bis sechs Jahren zu rechnen ist, dürfen senkrechte Öffnungen höchstens 12 cm breit sein. Waagerechte Öffnungen dürfen bis 60 cm Höhe höchstens 2 cm hoch sein – so entsteht kein „Leitereffekt“. In Ein- und Zweifamilienhäusern und innerhalb von Wohnungen ist das keine Pflicht. Wir setzen es trotzdem als Standard um, wenn Kinder im Haus sind oder zu Besuch kommen.
2. Überdachungen
- Terrassenüberdachungen sind im Innenbereich bis 30 m² Grundfläche verfahrensfrei – ausgenommen Dachterrassen und ihre Überdachungen.
- Balkonüberdachungen und Balkonverglasungen sind bis 30 m² Grundfläche verfahrensfrei.
Achtung: In der Tübinger Altstadt und in den historischen Kernen von Reutlingen gelten Gestaltungssatzungen, die Materialien oder Glasarten vorschreiben können. Und ein Bebauungsplan kann Überdachungen zusätzlich einschränken.
3. Sichtschutz und Zäune
Hier gilt neben der LBO das Nachbarrechtsgesetz (NRG BW). Eine „tote Einfriedung“ aus Holz, Metall oder Glas ist direkt an der Grenze in der Regel bis 1,50 m Höhe zulässig. Wird sie höher, muss sie um die Mehrhöhe von der Grenze abrücken – oder der Nachbar stimmt zu. Ein Bebauungsplan kann Höhe und Art von Einfriedungen zusätzlich regeln.
4. Carports
- Verfahrensfrei sind Garagen und Carports seit der Reform 2025 bis 50 m² Grundfläche und einer mittleren Wandhöhe bis 3 m – außer im Außenbereich. Vorher lag die Grenze bei 30 m², ältere Ratgeber sind hier überholt.
- An der Grundstücksgrenze darfst du ohne eigene Abstandsfläche bauen, wenn die Wandhöhe höchstens 3 m beträgt (gemessen am höchsten Punkt des Geländes), die Wandfläche an der Grenze höchstens 25 m² groß ist und die Grenzbebauung 9 m je Nachbargrenze und 15 m insgesamt nicht überschreitet. Rechne nach: 9 m Länge bei 3 m Höhe ergibt schon 27 m² – das ist zu viel.
- Ein Abstellraum im Carport ist kein Problem. Ein Raum zum Aufenthalt (Hobby, Werkstatt, Wohnen) hebt das Grenzbau-Privileg auf.
5. Warum die Vorab-Prüfung so wichtig ist
Verfahrensfrei heißt nicht regelfrei. Abstandsflächen, Bebauungsplan, Gestaltungssatzungen und Nachbarrecht gelten auch ohne Bauantrag – und die Verantwortung dafür liegt beim Bauherrn.
Wir beraten dich zur technischen Umsetzung, dürfen aber keine Rechtsberatung geben. Geh deshalb früh mit deiner Idee zur Baurechtsbehörde deiner Stadt oder Gemeinde. Klärst du Abstände und Vorgaben vorher, können wir dir ein Angebot machen, das technisch und rechtlich sicher umsetzbar ist.
Eckdaten geklärt? Dann melde dich – wir besprechen die handwerkliche Umsetzung direkt bei dir vor Ort.


